Konzert Kritik

Badische Zeitung Donnerstag 11 Dezember 2008

Ein heißer Flirt mit vielen Stilen

Léah Kline bot mit ihrer Stimme verführerische Vielfalt.

"Juzzflirtin" hieß die Band, die am Freitagabend im Lörracher Jazztone gastierte. Das klingt erotisch - und damit war nicht zu viel versprochen. Musikalisch flirtete die fünfköpfige Gruppe um den Pianisten Dirk Balthaus mit einer ganzen Menge von Stilen, die sie geschmackssicher zu einem sinnlichen Ganzen verband. Jede Menge Jazz steckte da natürlich drin, aber auch große Prisen von Latin-Rhythmen, von Funk-Grooves und Popmelodien. Zu hören war eine hochkarätig besetzte Band, in deren Mittelpunkt die Sängerin Léah Kline stand mit ihrer wunderbaren Alt-Stimme. Die in Amsterdam lebende Amerikanerin, deren Wurzeln bei Theater und Musical liegen, und die auch die Texte zu einigen der Songs geschrieben hat, erzählte Geschichten in expressiver und gefühlsbetonter Weise. Die Musik von "Juzzflirtin" war sehr rhythmusorientiert. Dies zeigt schon die Besetzung der Band, denn neben dem Schlagzeuger Sebastiaan Kaptein, der einen locker groovenden Beat vorlegte, sorgte auch Percussionist Yuchi Córdoba für die rhythmische Basis. Mit Spielfreude und Leidenschaft ergänzten sich die beiden bestens. Cord Heineking am Kontrabass war zusätzlich in Sachen Grove tätig, mal mit lässigem Swing, mal mit knackigem Funk. Dirk Balthaus als Bandleader und Komponist zahlreicher Songs war mit seinem hellen, dynamischen und leichthändigen Spiel am Flügel nicht nur wunderbarer Begleiter für Léah Klines Gesang, sondern auch ein Storyteller eigener Klasse. Die musikalische Bandbreite von "Juzzflirtin" war verblüffend. Klassische Jazznummern, bei denen die Sängerin mit perfekter Technik und Phrasierung begeisterte, standen neben lateinamerikanischen Stücken, die fröhlich, fast tanzbar daher kamen. Schöne Balladen wie "I am a butterfly" zeigten die Ausdrucksvielfalt von Léah Klines Stimme, während Dirk Balthaus mit Leichtigkeit gefühlsbetonte Bögen spannte und Cord Heineking mit einem faszinierenden Bass-Solo glänzte. Gefühlsbetont und eindringlich gelang der Sängerin und den Musikern auch Pat Methenys "Minuano". Keine Berührungsängste zeigte die Band zur Popmusik und hatte mit "I just want somebody to talk to" eine eingängige und mainstream-hitparaden-verdächtige Nummer im Programm. Ganz anders zeigte sich die Band bei "The Wizzard", einem expressionistischen Musikstück über die Nachwirkungen einer durchzechten Nacht. Mit ihrer ausdrucksstarken Performance bewies Léah Kline hier besonders deutlich ihre Theatererfahrung und gab im Mittelteil einen Sprechgesang, der ein bisschen an Laurie Anderson erinnerte. Dann wieder spielte die Band eine kräftig groovende Nummer wie diejenige über die mit einem Schaffell verkleideten Wölfe der amerikanischen Westküste mit ihrer überschwänglichen, aber nur aufgesetzten Freundlichkeit - ein Stück mit einem wiederkehrenden Teil, der fast schon ein Rock-Riff war. Erotisch und spannend, vielfältig und musikalisch raffiniert bot "Juzzflirtin" ein tolles Konzert.

Autor: Thomas Loisl Mink